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Samstag, 29.04.2017

Besuch in Estland 2014

Schwerdler am Meer
Estnische Fahne im Wind
Die großartige estnische Landschaft
Unsere Partnerschule
Unsere Gruppe
Und nochmal unsere Gruppe

Estonian Diary –

Von liebenswerten Menschen mit interessanten Sitten und Gebräuchen am Ende der Welt – mitten in Europa


Heiße Begrüßung

Nach einem tollen Tag in Tallinn kommen wir am späten Sonntagnachmittag in Kuressaare an. Auf unserem Plan steht für heute Abend ankündigend: „Begrüßungssaunaparty“

Wir kehren in unseren Gastfamilien ein, die uns alle sehr herzlich empfangen. Ich frage meine Austauschschülerin, was wir denn von diesem Abend zu erwarten hätten. Sie sagt, dass in Estland fast jede Party eine Saunaparty sei!

Die Saunen kommen wohl aus finnischer Tradition. Ein Finne baut zuerst seine Sauna, danach erst sein Haus. Die Esten scheinen diese Tradition übernommen zu haben. Das erscheint mir durchaus sinnvoll, da in Estland (zumindest im April) das Wetter Kühlschranktemperatur hat.

Trotz anfänglicher Skepsis in Anbetracht der Außentemperatur stelle ich schnell fest, was für eine schöne Erfrischung es ist, nach einem Saunagang draußen im Garten zu sein. Ich fühle mich wie neu geboren!



Miss Graatsia und Folk Dance

Heute werden wir Zeugen eines alljährlich stattfindenden Wettkampfes, bei dem die Mädchen aller Altersstufen in der Schule gegeneinander antreten und die aus Lehrern bestehende Jury mit ihren selbst einstudierten Tanzchoreographien zu überzeugen versuchen. Wir sind mit nicht allzu hohen Erwartungen in die Turnhalle gekommen, doch was wir zu sehen bekommen, ist unglaublich: Von Hip-Hop bis Ausdruckstanz, von grazilen Choreographien mit Seil und Band bis hin zu kleinen Mädchen, die einen Blumentanz aufführten. Alle Darbietungen werden so engagiert und gekonnt vorgetragen, dass es uns unmöglich erscheint, eine einzelne Gewinnerin zu küren, was uns glücklicherweise durch die Jury abgenommen wird!

Kaum ist die neue Miss Graatsia mit ihrem Gefolge verschwunden, tauchen auch schon Jungs und Mädchen in traditionellen estnischen Kostümen auf, die uns, begleitet von der entsprechenden Musik, typische estnische Volkstänze vorführen. Damit jedoch nicht genug, nach kurzem Zusehen werden wir zum Mittanzen aufgefordert und schwingen nun auch selbst leidenschaftlich das Tanzbein. Durch die vielen Drehungen und das ständige Hüpfen bekommt man schon mal einen leichten Drehwurm. Trotzdem hat es großen Spaß gemacht und es war faszinierend zu sehen, mit welchem Enthusiasmus die estnischen Jugendlichen ihre kulturellen Traditionen pflegen und damit die Identifikation mit ihrer Nation stolz zum Ausdruck bringen.


Seife und Sight-Seeing

Heute Vormittag steht für uns ein Seifenworkshop auf dem Programm, bei dem wir lernen, wie man aus Seifengrundstoff selbst eigene Seifenkreationen mit verschiedenen Farben und Gerüchen herstellen kann. Für die Seife bekommen wir verschiedene Formen, in die das Gemisch aus dem heiß gemachten flüssigen Seifengrundstoff zusammen mit den von uns ausgewählten Kristallen in blau und grün sowie verschiedene Blumenblüten gegossen wird. Die Lehrerin, die den Workshop leitet, ist total nett und die Mädels sind so begeistert von der estnischen Naturkosmetik, dass sie schließlich auch noch Nachtcreme mit verschiedenen Gerüchen wie z.B. Zitrone herstellen und mitnehmen dürfen.

Am Nachmittag steigen wir gemeinsam mit einer 10.Klasse in einen großen Bus, der uns zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten quer über die Insel Saaremaa bringt, die uns jeweils durch kleine Vorträge der estnischen Schüler vorgestellt werden.





Eine Fahrradtour durch Afrika oder Hot Sauna muss einfach sein

Nach der wahrscheinlich einzigen Nacht mit ausreichend Schlaf steht auch schon der nächste Termin an, das Treffen mir dem Bürgermeister von Kuressaare, Hannes Hanso. Überraschenderweise ist dieses keineswegs langweilig, sondern eher lustig und spannend, da dieser auf sehr unterhaltsame Weise aus seinem interessanten Leben berichtet Am Ende haben wir den Eindruck, dass es kaum exotische Länder auf der Welt zu geben scheint, durch die er noch nicht per Anhalter oder mit seinem Fahrrad (!) gereist ist. Sein nächstes Projekt ist eine Fahrradtour quer durch Afrika, von der Ostküste zur Westküste.

Nach all den Abenteuergeschichten müssen wir zur Entspannung erst mal einen kleinen Spa-Besuch einschieben und nach estnischer Tradition die 90 Grad heiße Sauna genießen. Gut durchgegart und entspannt gehen wir dann zu einem gemütlich Zusammentreffen in einem Pub, mit vielen Mitschülern unserer Gastgeschwister. Diese schwänzen für uns sogar ihre Cabaret-Probe, was natürlich ein großes Opfer für sie darstellt, da sie ihre Zeit, genau wie wir, am liebsten in der Schule verbringen. Schließlich fordern die Anstrengungen des Tages ihren Tribut und wir gehen wie immer todmüde nach Hause.



Feiern auf estnisch

Gestern Abend durften wir den jährlichen Höhepunkt des Schullebens am Saaremaa Ühisgümnasium miterleben, die legendäre Cabaret-Show der 11. Klasse. Dieses Mega-Event wird von allen Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse gemeinsam ein Jahr lang vorbereitet. Jeder ist in irgend einer Form beteiligt und das Ergebnis ist einfach grandios. Ein bunter Abend mit viel Tanz, Musik und Comedy, alles von den Schülern selbst verfasst, geschrieben, gespielt, gesungen und getanzt. Man kann es nicht beschreiben – man muss es einfach selbst erleben! Dem Anlass angemessen wird nach der Show gebührend gefeiert...

Nach der sehr langen Party, schläft jeder erst mal am Samstagmorgen aus, da die meisten erst um 4.00 Uhr ins Bett gegangen waren. Nach dem sehr späten Frühstück gehen wir mit unseren Austauschpartnerinnen shoppen. Die Schokolade vom dortigen Kalev-Schokoladenladen und weitere Souvenirs für die Daheimgebliebenen müssen schließlich noch eingekauft werden. Am späten Nachmittag treffen wir uns dann noch einmal alle zusammen und lassen die Woche Revue passieren. Wir bedanken uns auch für die super höfliche und immer hilfsbereite Gastfreundschaft und lassen den letzten Abend in Estland bei unseren Gastfamilien in Ruhe ausklingen, bevor wir am Sonntagmorgen bei Regenwetter (die ganze Woche über war es schön) nicht ohne Wehmut die Heimreise antreten...



Bericht von Annika, Cara, Carolin, Dominique, Jakob und Michelle

Redaktion: Hof