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Mittwoch, 23.08.2017

"Europa wird auf einmal interessanter"

Meinung am Montag: Marlene Kanthak organisiert europäische Begegnungen am Schwerd-Gymnasium – 42 Gäste heute zu Besuch

In Sachen Europa kann Marlene Kanthak niemand etwas vormachen. Die Fremdsprachenlehrerin hat das „Comenius“-Programm der Europäischen Union vor 14 Jahren ans Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium gebracht. Heute kommen 42 Schüler und Lehrer aus sieben Ländern zu Besuch. Ellen Korelus-Bruder hat mit der 52-Jährigen über Ziele, Beziehungen und den anstehenden Abschied gesprochen.
Frau Kanthak, ist ein Leben ohne Comenius für Sie überhaupt möglich? Vorstellen kann ich es mir nicht.

Was ist an einer Comeniusschule anders? Alles. Das Projekt bietet Schülern und Lehrern Europa im Kleinen. Sämtliche Fachbereiche profitieren davon. Aber Comenius wirkt sich auf Toleranz und Weltoffenheit weit über die Schule hinaus aus. Das Ziel ist erreicht, wenn der europäische Gedanke trägt und weiter getragen wird. Und das geschieht. Wo junge Menschen aus allen möglichen europäischen Ländern zusammenkommen, hat Rassismus keine Chance.

Welche Länder sind das? Zum Abschluss des zweijährigen gemeinsamen Projekts zum Thema „Werte und Glauben“ begrüßen wir heute Delegationen aus Großbritannien, Tschechien, Estland, Rumänien, Türkei, Spanien und Italien in unserer Schule. Frankreich ist wegen der strikten Trennung zwischen Staat und Kirche diesmal nicht dabei.

Wie funktioniert Comenius praktisch? Begonnen hat es bei uns mit der Suche nach einer britischen Austauschschule. Dabei bin ich auf das EU-Programm gestoßen und habe den ersten Antrag gestellt. Inzwischen haben wir das Programm viermal erfolgreich durchlaufen. Organisation, Fördergelder-Anträge und -Verwaltung kosten viel Zeit und Mühe. Am Ende habe ich immer gewusst: Es hat sich gelohnt.

Wie viel Geld ist das? Die EU finanziert jedes Projekt mit 22.000 Euro. Damit war der Austausch für alle Schüler möglich. Von dem Geld konnten wir Flüge, Ausflüge und Material bezahlen.

Was nehmen die Teilnehmer mit? Aus eigener Anschauung wird Europa auf einmal interessanter. Partnerländer wie beispielsweise Rumänien sind nicht unbedingt attraktive Ferienziele. Gerade da hat unsere Delegation besondere Gastfreundschaft genossen, von der Schüler und Lehrer bis heute zehren. Zwischen den Partnern sind Freundschaften entstanden, die auch nach Schulabschluss weiter geführt werden. Auf jeden Fall fördert der Austausch die Fremdsprachenkenntnisse aller Beteiligten. Comeniussprache ist Englisch.

In welchem Alter reisen die Schüler zu den Partnerschulen? Üblicherweise sind sie zwischen 16 und 18 Jahre alt. Aus Wales kommen heute jüngere Schüler bei uns an. Die Großen haben Abschlussprüfungen.

Was ist dem Besuch in Speyer vorausgegangen? Wir haben die Partnerschulen in den vergangenen zwei Jahren besucht, religiöse Bräuche und Architektur verglichen und uns mit Kunst und Kultur im entsprechenden Land beschäftigt.

Was haben Sie durch Comenius gelernt? Ich habe unser dreigliedriges Schulsystem schätzen gelernt und weiß jetzt, dass Fremdsprachenunterricht in Deutschland auf hohem Niveau stattfindet. Lehrer werden in anderen Ländern oft mit mehr Respekt behandelt. Kinder verstehen sich auf allen Ebenen.

Was werden Sie vermissen? Die europäischen Kollegen, gemeinsame Vorbereitungen im Speyerer Lehrerzimmer, das Ausweinen per E-Mail oder am Telefon über Stress mit Anträgen oder in der Schule – einfach alles wird mir fehlen.

 

Quelle: Rheinpfalz (05.05.2014)

 

Gäste aus sieben Ländern

Heute: Anreise der Delegationen der Partnerschulen aus Wales, Tschechien, Estland, Rumänien, Türkei, Spanien, Italien. Morgen, 9.30 Uhr: Empfang im Historischen Ratssaal, anschließend Stadtführung mit Dom, Gedächtniskirche und Diakonissen Speyer-Mannheim. An den Orgeln: Schwerd-Schulleiter Erich Clemens, 17 Uhr Rheinfahrt. Mittwoch, 7. Mai: Ausflug nach Heidelberg, 18 Uhr Kulturabend im Alten Stadtsaal. Donnerstag, 8. Mai, 17 Uhr, Alter Stadtsaal: Diskussion mit Vertretern der christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden zum Thema „Was ist wichtig im Leben?“. Freitag, 9. Mai: Ausflug zum Trifels, abends Begegnungsfest und Abschied im Alten Stadtsaal. Sonntag, 10. Mai: Abreise. (kya)

Quelle: Rheinpfalz (05.05.2014)

Stichwort „Comenius“-Programm

Mit „Comenius“, benannt nach dem Pädagogen Johann Amos Comenius, fördert die EU seit 1997 Zusammenarbeit, Austausch und Partnerschaft schulischer Einrichtungen in ihren 28 Mitgliedsstaaten und der Türkei, seit 2005 als Teil des EU-Programms für lebenslanges Lernen. Teilnehmen können Schüler aller Schulformen und
-stufen, Lehrkräfte, Behörden, Einrichtungen der Schulverwaltung, nicht-staatliche Organisationen oder Lehrerbildungseinrichtungen. Comenius wird seit Januar mit anderen EU-Austauschprogrammen unter „Erasmus+“ fortgeführt. (kya)

Quelle: Rheinpfalz (05.05.2014)

Artikel: Ellen Korelus-Bruder und kya