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Donnerstag, 25.05.2017

Fachbereichsleitung:

Frau Hoffmann-Jaberg

Schule ohne Rassismus

Wir wollen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden!



Wir, der Sozialkundeleistungskurs der 11. Klasse des FMSG, haben erfolgreich am Bundeswettbewerb für politische Bildung 2013 teilgenommen! Jeder hat eine Urkunde und eine DVD gewonnen, aber das ist nicht alles: Das Projekt geht weiter!

92,5% der Schulgemeinschaft haben sich inzwischen schriftlich dazu verpflichtet, sich gegen Rassismus und für Courage am FMSG einzusetzen. Auch konnten wir Elias Harris, einen großen Basketballstar und ehemaligen Schüler unserer Schule, als Paten gewinnen.

Einer der wichtigsten Punkte für unser Wettbewerbs-Projekt war ein Interview mit einem aktiven Rechtsextremisten. Denn, nachdem wir Einblicke in seine Denkweise bekommen hatten, sind uns schnell zu den anderen Themen viele gute Ansätze eingefallen:

Während mehrere Schüler sich mit Umfragen in der Schule und der Fußgängerzone in Speyer beschäftigten, um herauszufinden wie die Befragten zum Thema Rechtsextremismus stehen und ob es, gerade an der Schule, verdeckten Rechtsextremismus gibt und wie weit dieser ausgeprägt ist, konnten sich andere Kursteilnehmer mit einer wissenschaftlichen Studie über die Einstellung zum Rechtsextremismus auseinandersetzen und diese auswerten. Eine andere Gruppe befragte diverse Parteien per E-Mail zur NPD und zum Rechtsextremismus. Zudem hatte unser Kurs die Möglichkeit einen Polizisten zu Rate zu ziehen, wodurch weitere gute Ideen zusammenkamen. Wir haben außerdem eine Person des Ministeriums des Inneren, für Sport und Infrastruktur RHEINLAND-PFALZ befragt. Ihre Antworten finden sich in unserer Projektzeitung.

Ein Team stellte ein Plakat mit aktuellen Schlagzeilen zusammen, welche sich alle auf Taten von rechtsextremen Aktivisten beziehen, die nur kurze Zeit zurückliegen. Ferner ist der Kurs auf die offenen und verdeckten Erscheinungsformen des Rechtsextremismus eingegangen und hat diese auf einem Plakat dargestellt. Diesen haben wir die Chancen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung entgegenzusetzen hat, kreativ gegenübergestellt.

Eine große Rolle spielte für uns das Thema Zivilcourage, wozu wir eine Fotostory schossen und zehn Punkte notierten, die Courage ausmachen. Zu dem Thema Prävention befassten wir uns zunächst mit verschiedenen Organisationen und am Ende schrieb jeder Schüler eine Präventionsmaßnahme auf, die wir ab sofort an unserer Schule umsetzen wollen.

Es liegt uns sehr am Herzen, über dieses wichtige Thema aufzuklären und den Menschen die Augen zu öffnen, weshalb wir in unserer Schule eine Ausstellung organisiert haben und präsentieren. Fotos davon findet man auf dieser Seite.

Abschließend nimmt unsere Schule auch am Projekt "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" teil. Nachdem die SV in der letzten Gesamtkonferenz den entsprechenden Antrag gestellt hatte, wurde dieser von Schülern, Eltern und Lehrern einstimmig angenommen.

Unser Leistungskurs hat mit der Teilnahme an diesem Wettbewerb das erste Projekt übernommen und hat die Klassen über Rassismus und Rechtsextremismus informiert.

Nun hoffen wir, dass wir die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ während unseres Schulfestes am 18.Juli 2014 erhalten werden!

Schule ohne Rassismus - Unsere Plakate

Besuch der Klasse 9b bei Oberbürgermeister Eger

Um Politik einmal live zu erleben, hatten sich viele Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b mit ihrer Lehrerin Frau Hoffmann-Jaberg aufgemacht und bei der letzten Ratssitzung im Jahr 2013 die Besucherränge gefüllt.

Passend zu unserem Thema „Gemeinde“ wurde der städtische Haushaltsplan besprochen. Dabei wurden wir als Klasse von unserem Stadtoberhaupt extra begrüßt und Herr Eger bot uns an dieser Stelle an, auch mal in unseren Unterricht zu kommen.

So hatten wir an einem Montagmorgen, am 27. Januar 2014, die Möglichkeit, ihn näher kennenzulernen und ihm Fragen zu stellen. Wir hatten uns im Vorfeld Fragen ausgedacht und waren sehr gespannt auf seine Antworten. Uns interessierte vor allem seine Meinung zu einem Ganztagsgymnasium, zu Bauarbeiten auf häufig befahrenen Straßen, zu Umbauplänen des Kasernengeländes und zum Haushaltsplan 2014. Für besseres Verständnis der Speyerer Politik und Problemlösung erklärte uns Herr Eger die gestellten Fragen umfangreich und mit vielen Beispielen. Besonders überraschend für uns zu hören war, dass die Aufgaben eines Oberbürgermeisters doch ganz schön anstrengend seien und nicht immer Freude bereiten würden und dass er vor seiner Tätigkeit als Oberbürgermeister den Beruf des Rechtsanwalts 16 Jahre lang ausübte. Die Zeit war am Ende doch eigentlich wieder einmal viel zu kurz, aber in jedem Fall war es für uns als Klasse und Jugendliche eine tolle Erfahrung, den Oberbürgermeister Speyers in einem persönlichen Gespräch zu erleben.

Emilia Hartmann und Selin Biery

Landtagsbesuch der Grundkurse Sozialkunde am 23.1.2014 in Mainz

Die Distanz zwischen Jugend und Politik ist insgesamt doch recht groß, diese Erkenntnis wurde in einem halben Jahr Sozi in den Grundkursen 11 immer wieder thematisiert, eine erste Annäherung sollte daher der Besuch im Landtag versprechen.

 

Auf dem Programm stand der Besuch einer Plenarsitzung und anschließend ein Gespräch mit den Politikern der im Landtag vertretenen Parteien.

 

„Informative Einblicke“ in die Arbeit des Landtages hat der Besuch allemal gebracht, insofern hat sich für fast alle der Aufwand durchaus gelohnt, auch wenn in der Rückmeldung immer wieder das Wort „langweilig“ auftauchte.

 

Dieses Urteil galt insbesondere der Plenarsitzung, die die Grundkursler eine Stunde lang von der Tribüne aus erlebten. Auch wenn dem Eingangsthema „Organspende“ einige Schülerinnen und Schüler interessante Aspekte abgewinnen konnten, schien die „Diskussion“ doch insgesamt eher unspontan und ermüdend, da grundsätzlich alles abgelesen wurde und das Verhalten der Abgeordneten im Plenum selbst von Desinteresse geprägt zu sein schien. Die Abgeordneten hörten kaum einander zu, liefen durch den Saal und schwätzten oder amüsierten sich mit Handyspielen.

 

Immerhin konnten die Abgeordneten Friederike Ebli, Dr. Axel Wilke und Dietmar Johnen einige der Negativeindrücke „dieser Parlamentsinszenierung“ im anschließenden Gespräch wieder etwas ausgleichen, indem sie aus der praktischen Arbeit berichteten und sich bemühten einige dieser eher irritierenden Abläufe im Parlament zu erklären.

 


Der LK Sozialkunde mit Frau Hoffmann-Jaberg ...

... beim Bundesverfassungsgericht

... beim Europaparlament

... beim Landtag

 

 

„Trinken bis zum Umfallen?“ - ein Schülerprojekt des FMSG

Wir, der Sozialkunde-Leistungskurs 2 des Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasiums, haben am Schülerwettbewerb für politische Bildung teilgenommen – mit Erfolg. Unsere Mühen wurden belohnt: Einen Buchpreis konnte unser Leistungskurs sein Eigen nennen. Welches Thema hatte das Projekt und wie lief die Arbeit ab? Diese Fragen sollen nicht unbeantwortet bleiben:

Wir haben uns intensiv mit dem Thema „Trinken bis zum Umfallen?“ beschäftigt.

Neben den Erkenntnissen, die wir durch das Projekt gewonnen haben, stärkten sich auch unsere Fähigkeiten, in einer Gruppe zu arbeiten. Alle Themen wurden im Team absolviert, die Arbeit wurde effektiv geteilt, und die theoretische Planung hat zu einer guten Struktur geführt.

Abschließend wünschen wir allen Spaß beim Betrachten unserer Präsentation:

http://prezi.com/tuxymvp3gr8q/trinken-bis-zum-umfallen/?kw=view-tuxymvp3gr8q&rc=ref-17548477

 

Klasse 9c spendet an das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen

Übergabe des Schecks im Kinderhospiz Sterntaler

Im Rahmen des Sozialkundeunterrichts (Kommunalpolitik) haben wir einen Waffelverkauf für wohltätige Zwecke organisiert. Bei dieser Aktion kam eine Endsumme von 200 € zustande, die wir am 11.03.2013 als Spende an das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen übergeben durften. Vier Schüler sowie unsere betreuende Lehrerin Frau Hackländer hatten dabei die Möglichkeit, das Kinderhospiz zu besichtigen. Hierbei bekamen wir Einblicke in den Alltag und die Arbeit des Kinderhospiz. Was uns sehr überraschte, war die herzliche und liebevolle Atmosphäre, die dort zum täglich aktuellen Thema „Tod“ herrschte.

In einem Gespräch mit einer Sozialarbeiterin erfuhren wir dann, wie sie persönlich bzw. alle anderen Mitarbeiter diese Emotionen verkraften und verarbeiten können. Durch die offene Atmosphäre und das herzliche Miteinander im Hospiz fällt es den Mitarbeitern leichter, mit so viel Schmerz und Leid umzugehen. Ihr Engagement ist nicht selbstverständlich, denn ihre Arbeit ist ehrenamtlich.

 

Mit unserer Geldspende wird zur Erweiterung des Kinderhospiz beigetragen, die dann 9 weitere Plätze im Hospiz entstehen lässt.

 

Vielen Dank nochmal an alle, die uns bei der Aktion Waffelverkauf mit dem Kauf von Waffeln unterstützt haben und somit dem Kinderhospiz helfen.


Eure 9c


Michael Nett und Philipp Schey


betreuende Lehrerin Frau Hackländer

 

 

Gewinn für die Börsengödler beim Planspiel Börse

Die Siegergruppe "Börsengödler" vom FMSG bei der Preisübergabe.

Beim 30. Planspiel Börse der Stadtsparkasse hat auch das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium wieder teilgenommen - mit Erfolg: Die Gruppe "Börsengödler" aus dem GK 11 Sozialkunde von Frau Schlegel gewann einen Preis in der Kategorie "Nachhaltigkeit".

Bilder von der Siegerparty gibt es hier: blog.spkspeyer.de/archives/3379.

Der Bundestag-Bus

 

Als erste Schulklasse aus Speyer besuchte die 10e des FMSG heute das Infomobil des Deutschen Bundestages. Dort erhielten die Schülerinnen und Schüler einen 45-Minuten-Vortrag zum Thema "BRD als parlamentarische Demokratie" und "Der Weg der Bundesgesetzgebung". Anschließend blieb noch Zeit für Rückfragen an die Mitarbeiter/-innen des Deutschen Bundestags. Alle Schüler bekamen dann noch eine Auswahl von Informationsbroschüren wie z.B. "Parlamentsdeutsch - Lexikon der Parlamentarischen Begriffe". Alle 10. Klassen des Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasiums sowie Sozialkundekurse aus der Oberstufe werden in dieser Woche das Angebot des Infomobils nutzen.

 

 

Griechenland in Scherben

In Scherben

Es gehört fast zum guten Ton, über die Griechen zu schimpfen, die Europa so viel Geld kosten. Doch für die Menschen im Land bedeutet die strikte Sparpolitik, dass ihr Alltag zu Bruch geht. Ein Besuch bei Freunden. Von  Lilo  Wessel

 

Mit einer Stunde Verspätung landet das Abendflugzeug aus Frankfurt um 22.50 Uhr in Athen. Ich bin etwas unruhig wegen meiner Freundin Lizza, die mich abholt und nun warten muss. Nun, sie wird so lange durch die Shops im Flughafen geschlendert sein, denke ich. Aber nein: Der Flughafen ist beinahe menschenleer, die Läden mit Ausnahme der Mietwagenzentrale bereits geschlossen. Ich kenne es anders: Selbst spät nachts war der Airport voller Leben.


Lizza umarmt mich, wir haben uns ein Jahr nicht gesehen. Ich kenne meine Freundin als adrette, gepflegte Erscheinung. Heute wirkt sie nachlässig zurechtgemacht. Weder die ausgewaschenen Jeans noch der beyleblaue Polyamidpullover sind modisch der Renner. Der graue Haaransatz ist sichtbar, das Deckhaar plackig. Sie hat meinen Blick bemerkt. „Ich färbe jetzt selbst. Der Friseur ist zu teuer”, sagt sie entschuldigend.


Lizza wohnt in der Vorstadt, 40 Kilometer vom Flughafen entfernt. Unterwegs erzählt sie mir, dass die Witwenrente und ihre eigene - sie gehörte zum Bodenpersonal von Olympic Airways -, ein zweites Mal gekürzt wurden. Statt 1100 Euro bekommt sie jetzt nur noch 600. Damit unterstützt sie ihren Sohn, der bei der Marine arbeitet und gerade eine Familie gründet. Dafür reicht sein Gehalt von 830 Euro nicht aus.


Während der Fahrt begreife ich, dass es ein Fehler war, Lizza zu bitten, mich am Flughafen abzuholen. Besser hätte ich für sechs Euro die S-Bahn nehmen sollen, so viel, wie allein die Parkgebühr am Flughafen kostet. Rechnet man Benzin und Mautgebühren dazu, kommt die Autofahrt auf etwa 35 Euro.


Am nächsten Morgen fahren wir Richtung Kalamata, nach Kitries, einem 50-Seelen-Dorf auf dem Peleponnes. Mein zweiter Wohnsitz seit 1985. Ich bin wild entschlossen, die Benzinkosten zu übernehmen, auch wenn Lizza nach griechischer Art all ihren Widerstand dagegensetzen wird - was sie auch tut, allerdings weniger heftig als sonst. Wir halten an einer BP-Tankstelle. „Für 30 Euro”, sagt sie dem Tankwart. Das sind knapp 17 Liter Benzin. Sie reicht ihm drei Zehn-Euro-Scheine, er ihr dafür eine Quittung. Mittlerweile bekommt man selbst am kleinsten Stand auf dem Wochenmarkt eine Quittung. „Wohin wollen Sie?”, fragt er. „Nach Kalamata.” - „Da reicht das Benzin aber nicht. Sie brauchen fast das Doppelte mit dieser Karre.” Sie zuckt die Schultern. „Also”, meint er, „noch mal für 30 Euro, ohne Quittung, dafür den Tank randvoll.” Ein Deal, auf den sie sich einlässt.


Kalamata, eine Stadt so groß wie Speyer, kenne ich seit 1975. Das lebendige, wuselige Kalamata, so wie ich es kenne, ist tot. Morgens um neun sind Lizza und ich die einzigen Besucher auf dem Markt, problemlos haben wir einen Parkplatz gefunden.


In der Innenstadt hat ein Drittel der Läden geschlossen. Getroffen hat es die Kleinen: Mini-Märkte, altmodische Kleiderläden, Drogerien, Gemischtwarenhandlungen, viele kleine Cafés, Ouzorien und Mokkaröstereien. Geblieben sind Ein-Euro-Ramschläden, Kaffeehaus- und Fastfoodketten sowie alteingesessene Geschäfte mit Ausstattung für Taufen, Kommunionen und Hochzeiten, ebenso Läden mit Grab- und Kirchenbedarf. Nur bei Lidl, außerhalb der Innenstadt, brummt das Geschäft.


In dem schmucken Laden des Telekommunikationsunternehmens OTE stehen die Leute am Monatsanfang Schlange, um die Telefonrechnung zu bezahlen; ein Einzugsverfahren gibt es noch nicht. Zwei Schalter sind geöffnet, trotzdem geht es nur langsam voran. Ich beobachte die Szene von einem Sessel aus. Fast jeder dritte Kunde beginnt eine Diskussion mit dem Schalterbeamten, worauf dieser Kopf und Augen gen Himmel rollt, was Nein bedeutet, und mit der Hand auf einen schräg gegenüberliegenden Schalter weist. Dort steht eine ebenso lange Schlange, in der sich inzwischen auch Lizza vorwärtsschiebt. Irgendwann taucht sie wieder auf, aber wir sind nicht fertig. „Ich muss schnell auf die Bank.” Nach einer halben Stunde kommt sie zurück, steht wieder an, kommt erneut an den zweiten Schalter, an dem die Bezahlung offenbar gestundet wird. Zwei Stunden haben wir hier zugebracht. „Ich muss morgen wiederkommen, das Geld, das ich abheben konnte, hat nicht gereicht.”


Unser Stammcafé im Zentrum, das frühere Galaxia, heute eine durchgestylte Filiale der Kaffeehauskette „Athanasiou”, ist höchstens zur Hälfte besetzt, und das gegen 11 Uhr vormittags, einer Zeit, zu der alle Welt für eine kurze Entspannung ins Kafeneion strebt. Ein Cappuccino kostet dort 3,20 Euro, für viele heute unerschwinglich. Ich höre, wie ein Einheimischer am Nachbartisch erzählt, man sehe in der Stadt jetzt doppelt so viele Bettler und Obdachlose.


Einige Hiobsbotschaften aus dem Bekanntenkreis: Ausnahmslos allen wurde Rente, Lohn oder Gehalt um 20 bis 30 Prozent gekürzt. Mit Ausnahme der Mieten sind die Lebenshaltungskosten so hoch wie in Deutschland. Und dann der Arbeitsmarkt: Als ich meine Freundin Nelli an ihrem Arbeitsplatz bei „Kozoupoulos”, einer Art kleinem Media-Markt, besuchen will, treffe ich sie nicht an. Sie ist in der Frühe ohne Angabe von Gründen fristlos entlassen worden.


Takis, der 30 Jahre alte Sohn meiner Freundin Roula, hat bereits 15 Arbeitsjahre auf dem Buckel und ebenfalls von einem auf den anderen Tag seinen Job in einer Holzfabrik verloren. Er ist den Tränen nahe, als er mir davon erzählt.


Der Chef der Spedition Kalamata-Trans fährt seine Route nach Deutschland, Holland und Belgien mittlerweile selbst: „Es gibt kaum noch Aufträge.” Seine Fahrer hat er entlassen müssen. Was bleibt den jungen Leuten, wenn sie keine beruflichen Perspektiven mehr haben?


Geblieben ist die überbordende griechische Gastfreundschaft - trotz schmaler Geldbeutel. Überall werde ich auf einen Kaffee oder zum Essen eingeladen - und brauche in der Taverne großen verbalen Kraftaufwand, um selbst bezahlen zu dürfen.


In unserem 50-Seelen-Dorf Kitries gibt es zwei Tavernen und ein Bistro. Trotz sommerlicher Temperaturen kehrt unter der Woche kaum jemand ein, an Wochenenden sind allenfalls drei, vier Tische besetzt. „Keine Ahnung, wie lange wir durchhalten können”, sagt Dimitrios Mitsotakis (32), der vor fünf Jahren die Taverne von seinen Eltern übernommen und von Grund auf renoviert hat. Er hat noch Schulden vom Umbau. An der Taverne hängen sechs Arbeitsplätze für Küchen- und Servicepersonal, außerdem leben davon nicht nur Dimitrios, seine Frau und deren drei Kinder, sondern auch die Eltern sowie eine Schwester und deren Familie. Und - wie man neuerdings munkelt - mia ngâmena, eine Geliebte.


Ich sitze bei Chonoula und Nikos Bakeas, seit 60 Jahren verheiratet, beide weit in den Achtzigern. Sie wohnen in Dolous, einem Nachbardorf, und betrieben früher dort in ihrem Haus ein „Magazin”, eine Mischung aus Tante-Emma-Laden und Trinkhalle. Die beiden wirken verstört. Einer ihrer Großneffen ist seit einer Woche unauffindbar. Polizei und Feuerwehr haben gestern die Suchaktionen ergebnislos eingestellt. Die Familie befürchtet, er habe sich etwas angetan, denn er hat nicht nur seine Arbeit, sondern durch eine Fehlinvestition auch seine Ersparnisse verloren. Er wäre nicht der Einzige, der auf diese Art einen Ausweg suchte. Vor der Finanzkrise 2009 hatte Griechenland eine der niedrigsten Suizidraten der Welt: 2,8 pro 100.000 Einwohner. Experten schätzen sie heute auf 5,0 oder höher.


Mit seinen 86 Jahren kümmert sich Nikos immer noch um seine 300 Olivenbäume, die eine kleine Einnahmequelle darstellen. Allerdings tut er das mittlerweile alleine. Die 40 Euro, die die Albaner pro Tag für die Ernte oder die Baumpflege verlangen, kann er nicht mehr aufbringen. Chonoula bangt jeden Tag, ihr Mann könne von der Leiter fallen.


Jedenfalls hat man den beiden ihre Rente nicht gekürzt. „Wir bekommen nur jeder 300 Euro, obwohl wir unser Leben lang eingezahlt haben. Was gibt's da noch zu kürzen?”, fragt Nikos. Dann poltert er los, schimpft auf die Regierung, die Parteien, die Gewerkschaften, das Großkapital, die Banken, die EU, den IWF, die Kanzlerin und „O Vietnamésos”, Wirtschaftsminister Philipp Rösler.


Nikos' Gesicht ist zornesrot. „Oi politikãi fágane ta leftámas - Die Politiker haben unser Geld gefressen!” Er schwört, heute nicht wählen zu gehen. Da wird er, wenn man den Umfragen glauben darf, nicht der Einzige sein. Den Satz von den Geld fressenden Politikern, den hört man in jedem Kafeneion. Alle Namen geändert

Verkehrserziehung im Unterricht

Quelle: jeweils Rheinpfalz